Es ist kaum zu fassen: Die Manager hier domizilierter Ableger oder Hauptquartiere internationaler Grosskonzerne, welche den politischen Kurs von Economiesuisse bestimmen und finanzieren, positionieren sich als Hauptgegner der Selbstbestimmungs-Initiative.

Kommentar «Spalte rechts», Ausgabe vom 14. September 2018

Ist es ihr Ziel, die Schweizer Wirtschaft der Fuchtel von Zentralbürokratien – vor allem dem auswuchernden Brüsseler Funktionärsapparat – zu unterwerfen, der, von bodenlosen Finanzlöchern geplagt, längst alles daran setzt, der Schweiz ihre in der Vergangenheit so erfolgreich entfaltete Freihandelspolitik zu entreissen und der Brüsseler Oberhoheit zu unterstellen? Dies anzustreben – so einfältig kann bei klarem Verstand kein Wirtschaftsführer sein, der ernstgenommen werden will.

Was ist also das wahre Motiv der Manager, die Economiesuisse finanzieren – übrigens zu rund siebzig Prozent Ausländer?

Sie scheinen eine Rechnung gegen den Schweizer Souverän offen zu haben. Dieser Souverän – Volk und Stände – hat bekanntlich im Rahmen der hier verankerten Direkten Demokratie vor wenigen Jahren mit der sogenannten Minder-Initiative – benannt nach dem unabhängigen Schaffhauser Ständerat Thomas Minder – die Boni-Exzesse in internationalen Konzernen wenigstens auf Schweizer Boden weitgehend unterbunden. Das traf einige internationale Manager empfindlich an ihren Geldbeuteln. Offenbar so empfindlich, dass sie den hiesigen Stimmbürgern jetzt heimzahlen wollen: Politische Selbständigkeit, die Direkte Demokratie, wie sie sich im Ja zur Abzocker-Initiative geäussert hat, soll den Schweizern ein für allemal entrissen werden – wie gross die damit verbundenen wirtschaftspolitischen Nachteile auch sind.

Manager denken – im Gegensatz zu Unternehmern, die ihr eigenes Vermögen in ihren Betrieben investiert haben – immer kurzfristig, eben Boni-orientiert. Durch das Erreichen von Kurzfrist-Zielen sichern sie sich exzessive Boni – um umgehend ihr Wirkungsfeld in einen anderen Konzern zu verlegen, wo das Spiel mit Boni sichernden Kurzfrist-Zielen weitergeht.

Langfristige, dem Land Wohlstand sichernde Wirtschaftspolitik interessiert die Boni-Jäger nicht. Ihre Rachegefühle gegenüber Stimmbürgern, die ihnen diese Boni schmerzlich gekürzt haben, überwiegen klar.

Ulrich Schlüer

13.09.2018 | 524 Aufrufe