In der Schweiz zirkuliert eine Geschichte. Sie füllt x Zeitungsseiten und beansprucht x Sendeminuten. Sie handelt – welch Sensation – von einem «Spion» – 
einem behaupteten oder vermeintlichen. Er soll ein Tollpatsch gewesen sein.

Kommentar «Spalte rechts», Ausgabe vom 12. Mai 2017

Vor Jahren nutzte der Finanzminister eines deutschen Bundeslands, Dr. Norbert Walter-Borjans, in der Schweiz gestohlene Daten. Geschädigte war eine Schweizer Grossbank. Und deren Kunden – anhand der geklauten Daten als angebliche oder tatsächliche Steuersünder an den Pranger gestellt und pauschal vorverurteilt. Die Medien machten dabei wolllüstig mit. Von Bankgeheimnis, von geschützter Privatsphäre keine Spur. Vermögende sind zum 
vornherein Freiwild.

Die Schweiz und in ihrem Namen der Bundesrat reagierten damals empört. Man werde, falls von Deutschland anbegehrt, Rechtshilfe zu den geklauten Daten verweigern. So hiess es zunächst. Dann traf das Rechtshilfe-Ersuchen ein – und die Finanzministerin, Eveline Widmer-Schlumpf, liess alles ausliefern, was Deutschland auf der Grundlage der geklauten Daten verlangte. Keine Spur von Rückgrat gegenüber den skrupellosen Datendieben.

Doch diese Landesregierung mit ihren demonstrativ weichen Knien vor dreisten Datendieben soll anschlies
send einen Spion aufgeboten haben? Dieser hätte herausfinden sollen, über welch dunkle Kanäle der Datenklau durch Deutschland damals erfolgt ist.

Wozu denn das? Was will eine rückgratlose, vor deutschen Datendieben buchstäblich auf die Knie fallende Landesegierung mit Auskünften, wie der dreiste Datenklau zustande gekommen ist – wo sie sich doch als zu schwach fühlt, den Datenklauer als das zu bezeichnen, was er war und ist: Ein schnöder, dreister Dieb! Wäre der Übertölpelte, wenn ein Spion ihm Erkenntnisse geliefert hätte, plötzlich mutig geworden?

Wenn die aufgeplusterte Geschichte vom tollpatschigen Spion stimmen sollte, dann illustriert sie, wie kopflos sich unsere nach Anpassung lechzende Landesregierung auf internationalem Parkett bewegt. Ist sie indessen erfunden, dann zeigt sie, mit welch erbärmlichen Methoden schweizfeindliche Medienmacher unser Land in Verruf zu bringen versuchen.

Ulrich Schlüer

12.05.2017 | 505 Aufrufe