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Unwissenheit und unrealistische Ziele prägen das Handeln – Ein Blick auf die gescheiterte Energiewende

Die Umsetzung der Energiewende ist seit Wochen eines der dominierenden Tagesthemen. Verschiedene Entwicklungen und Erkenntnisse machen deutlich: Das definierte Ziel «Netto Null» wird nicht wie geplant und propagiert umzusetzen sein. Die geplante Umsetzungsstrategie weist nur schon im Bereich der allgemeinen globalen Bereitschaft und Verbindlichkeit zu viele Lücken auf. Auch betreffend technischer Machbarkeit wurden die Pläne ohne die Regeln der Physik geschmiedet.  

Die verbindlichen und quantitativen Emissionsbeschränkungen des «Pariser Abkommens» wurden nur von 61 der 191 unterzeichnenden Länder akzeptiert. Zu diesen 61 Ländern gehören unter anderem die Schweiz sowie die damals 28 Länder der Europäischen Union. Nicht verbindlich unterzeichnet haben insbesondere China und Indien. Beide Länder bauen zurzeit an Hunderten von neuen Kohlekraftwerken, um ihren Wirtschaftsaufschwung weiterhin gewährleisten zu können.

Schon heute stösst allein China mehr CO2 aus als alle OECD-Länder zusammen. Auch die USA proklamieren nach aussen den Klimawandel, sind aber in Tat und Wahrheit abhängig von billigem Öl. Diese Tatsache wurde am 11. August 2021 bewiesen, als die Biden-Regierung die OPEC aufforderte, die Ölproduktion zu erhöhen.    

Bedeutungsloses Pariser Abkommen

Das «Pariser Abkommen», welches als Basis für die Umsetzung der Energiewende dienen soll, ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben steht. Solange die grössten CO2 verursachenden Länder dieser Welt ihren Ausstoss ungebremst erhöhen, verursachen die im globalen Verhältnis kleinen Einsparungen der oben erwähnten 61 Länder lediglich unverhältnismässig hohe «Deindustrialisierungs-
Kosten», ohne dabei den weltweiten CO2-Ausstoss tatsächlich zu reduzieren.
 

Unüberlegtes Technologieverbot

Die Kernenergie hat an der gesamten schweizerischen Stromproduktion einen Anteil von rund 23%. Weltweit sind 437 Kernkraftwerke in Betrieb und 55 Neubauten sind im Gang. Zusätzlich laufen Planungen für 96 weitere Neubauten, und rund 350 Projekte befinden sich in der Vorplanung.

Frankreich verfügt aktuell über 56 Kernkraftwerke und plant, weitere fünfzehn Anlagen zu bauen und in Betrieb zu nehmen. Von sämtlichen Ländern auf der Welt, welche aktuell über eigene Kernkraftwerke verfügen, ist Deutschland das einzige, Land welches komplett aus der Kernenergie aussteigen will. Zum Jahresende 2022 sollen die letzten drei sich in Betrieb befindenden Anlagen vom Netz gehen.

In der Schweiz hat das Parlament im Zusammenhang mit der Energiestrategie 2050 den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen, der Bau von neuen Anlagen wurde verboten. Die entstehende Produktionslücke soll künftig mittels Windturbinen und Solarpanels kompensiert werden.

Unzuverlässige Erneuerbare

Um die vier sich aktuell noch in Betrieb befindenden schweizerischen Kernkraftwerke eins zu eins ersetzen zu können, würde eine Fläche von 62 QuadratkilometernSolarpanels benötigt. Und 2’154 Windturbinen à 2 Megawatt Leistung müssten auch aufgestellt werden. Zusätzlich müssten 5’200’000 Tesla-Stromspeicher à 10 Kilowattstunden installiert werden, damit die durch die inkonstanten Wind- und Sonnenverhältnisse entstehenden Tagesschwankungen mittels Speicherung ausgeglichen werden können. Ebenfalls müssten die saisonalen Schwankungen mittels Zwischenspeicherung gelöst werden. Um den Überschuss aus dem Sommer in die Wintermonate zu transferieren, bräuchte es in der Schweiz 4.3 zusätzliche Anlagen «Grand Dixence» – eine Gesamtkapazität, welche in den Schweizer Alpen gar nicht mehr vorhanden ist.

Selbst wenn die aufgezählten Flächen, Anlagen und Speicherkapazitäten gebaut werden könnten, müsste für Phasen von Dunkelflauten (kein Wind und keine Sonneneinstrahlung) die gesamte Produktionskapazität durch ein «Ersatz-System» abgesichert werden. Das würde bedeuten: Konventionelle Kraftwerke müssen als Absicherung bereitstehen, welche bei Bedarf jederzeit zugeschaltet werden können. Entsprechend würden praktisch doppelte Fixkosten entstehen, was die Strompreise für die Endkunden massiv verteuern würde.

Utopischer Zeitplan

Selbst unter der Annahme, dass die oben beschriebenen technischen, geologischen, wetterbedingten und finanziellen Herausforderungen gelöst werden könnten, muss der Zeitplan «Netto Null bis im Jahr 2050» überprüft werden.

Damit innerhalb des schweizerischen Gesamtenergiebedarfs die rund 60% fossilen Brennstoffe zusammen mit den vier Kernkraftwerken durch Wind- und Sonnenenergie – deren Gesamtanteil im Jahr 2020 gerade einmal 0,3671 Prozent ausmachte – ersetzt werden können, bedarf es eines Faktors von 190 an Installationszuwachs. Während dreissig Jahren müsste der Neuzubau des Vorjahres jeweils um zwanzig Prozent übertroffen werden. Zum Vergleich: 2020 wurde der Anlagenbau, wie er im Vorjahr Tatsache wurde, nur gerade um 0,8 Prozent übertroffen.

Explodierende Kosten

Bis heute hat Deutschland für die Energiewende rund 500 Milliarden Euro ausgegeben. Im zweiten Halbjahr 2021 hatte unser nördliches Nachbarland die weltweit höchsten Strompreise (mit Steuern und Abgaben). Nur in Dänemark und auf abgelegenen Inseln musste für Strom noch mehr bezahlt werden.

In den vergangenen fünfzehn Jahren ist der Strompreis in Deutschland um über 63 Prozent gestiegen. Die Kilowattstunde kostet inzwischen 36,19 Eurocent. In der Schweiz kostet aktuell die gleiche Menge Strom im Durchschnitt 21,2 Rappen.

Im Rahmen der Volksabstimmung über das Energiegesetz im Jahr 2017 hat Bundesrätin Doris Leuthard die Kosten für die Energiewende mit vierzig Franken pro Kopf und Jahr beziffert. Gemäss einem Bericht der EMPA / EPUL vom Februar dieses Jahres, werden die Kosten in Tat und Wahrheit auf rund 766 Franken pro Kopf und Jahr zu liegen kommen.

Ernüchternde Aussichten

In Europa stehen wir heute vor der Situation, dass die Stromversorgung schon für den kommenden Winter nicht mehr garantiert ist. Die zuständigen Stellen in der Schweiz arbeiten nun an einem Notfallplan. In diesem Plan geht es nicht darum, wie die fehlende Stromkapazität sichergestellt werden kann, sondern darum, wo und in welcher Situation welche Firmen, Einrichtungen und Wohnhäuser vom Stromnetz abgetrennt werden.

Selbstüberschätzung, Beratungsresistenz, fehlendes Wissen und ideologische Verblendung der verantwortlichen Personen haben dazu geführt, dass wir in der Schweiz bezüglich sicherer Stromversorgung kurzfristig nur noch reagieren und nicht mehr agieren können. Zusammengefasst bedeutet die Energiewende, dass wir uns strom- und energieversorgungstechnisch auf dem Weg zurück in das vorindustrielle Zeitalter befinden.

Was ist zu tun

Um mittel- und langfristig in der Schweiz eine sichere, nachhaltige und bezahlbare Strom- und Energieversorgung zu haben, ist radikale Umkehr gefordert.

Die Fehlentscheidungen im geltenden Schweizer Energiegesetz sind zu korrigieren. Das Verbot der Kernenergie – notabene die CO2-freundlichste Art der Stromproduktion – ist aufzuheben. Mit der Planung und dem Bau der neusten Generationen Kernkraftwerke (Typ 3, 3+ und 4) ist umgehend zu starten.

Im Blick auf neue Kernkraftwerke ist noch zu erwähnen, dass wir mit den aktuell in der Schweiz zwischengelagerten und lediglich zu fünf Prozent «abgebrannten Brennstäben» über eine autonome Energiereserve von rund 800 Jahren verfügen.

Wind- und Sonnenstrom haben, richtig eingesetzt, klar ihre Berechtigung. Die fossilen Brennstoffe und die Kernkraftwerke werden damit aber nicht eins zu eins ersetzt werden können. Das ist aus technischer und finanzieller Sicht schlicht unmöglich. Die Strategie des Neuzubaus dieser beiden Technologien, und nur zusammen mit den dazu zwingend nötigen Speicherlösungen, muss neu ausgerichtet werden.    

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Publiziert von Schweizerzeit

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13 Kommentare

  1. Dem ist nichts hinzuzufügen. Sofort mindestens eine Million Flyer und Plakate drucken: «Die Schweiz ist KEIN WIND-land!» Ich helfe verteilen und ankleben…

  2. Sehr treffend geschrieben! Deckt sich weitgehend auch mit meiner Einschätzung.
    Europa und die Schweiz zerstören sich selber mit diesen irrationalen CO2- und Energiezielen. (Und jetzt noch zusätzlich mit Sanktionen gegen Russland, die primär uns selbst schaden.)
    Irgendwie Selbstüberschätzung (oder Ignoranz) unserer Politiker.
    Offenbar haben Politiker auch keine Ahnung von der Entwicklung in der Kernenergie.

  3. Drei Tage nach Fukushima stimmte der Bundesrat mit den Stimmen von E. Widmer, M. Calmy, D. Leuthard und S. Sommaruga für ein Verbot des KKW-Ausbaus. Man darf wohl sagen, sie entschieden aus dem hohlen Bauch ohne Möglichkeit und Willen, die Konsequenzen zu berücksichtigen. Im 2022, nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine, beschliesst das EU-Parlament, dass Gaskraftwerke und AKWs «nachhaltige» Energiequellen seien. Die Grünen stimmten zu. Das ist, wie wenn der Papst den Teufel zum Kardinal ernennen würde. Man staunt nur noch. Die Macht des Faktischen und die Angst vor kalten Betten ermöglicht alles. Und bisherige grüne Ueberzeugungen werden über Bord geworfen wie Ballast.

  4. Herr Trachsel hat auf jeden Fall recht – so vernünftig kann man aber leider nur noch mit sehr wenigen Menschen reden.

    Was noch schlimmer ist und er gar nicht erwähnt, ist dass die Globalisierer und «Weltregierungs-Zombies» unser CO2 aus der Luft ziehen wollen.Teils unter die Erde und teils wie mit einem Staubsauger aus der «Luft» absaugen. Mit neuen Technologien in die man sein Geld jetzt investieren kann, am besten mit BitCoins!

    Dumm, dass doch noch einige Schweizer wissen, dass unsere Pflanzen dringend CO2 brauchen und noch mehr brauchen könnten als es jetzt gibt, sonst sterben Pflanzen ab und deshalb werden auch Menschen und Tiere sterben, weil sie keine Pflanzen mehr zum essen haben. Es sollte doch jedem klar sein, dass wir (die Menschheit) nicht mit im Labor hergestelltem «Fleisch» aus dem Supermarkt leben könnten. Übrigens, könnten auch die Insekten welche unser linker Bundesrat vor Hamburgern bevorzugt, ohne das CO2 nicht überleben.

    Vielleicht will Elon Musk uns vom Mars aus beim Kreppieren zusehen, wenn er mit seinem TESLA erfolgreich auf diesem Planeten gelandet ist. Das ist eher für die jüngeren Leser!

    Die heutige Politik und die Bildung unserer Kinder und der vergangenen Generationen ist doch einfach nur H a b a k u ck , falls jemand das Wort überhaupt versteht. Vor allem den älteren Semestern sollte doch längst klar werden, dass heute nichts mehr Sinn machen darf und möglichst unlogisch sein muss! Das lernt man heute in den Schulen – NICHT GEWUSST? informieren Sie sich bei Ihren Groskindern!

    Leider fürchte ich, dass das nicht an der Dummheit der Menschen hängt, sondern die Gehirne der fleissigsten Arztbesucher (für die armen «Armen» ist es ja gratis) sind durch Spritzen, Impfungen und Medikamente ausser Kraft gesetzt!

    Seltene Exemplare wie ich, haben durch Zufall seit Jahrzehnten keine Medikamente geschluckt und auch nicht bei den überflüssigen Impf-Kampagnen mitgemacht. Dass sie jetzt zur gesunden Bevölkerung gehören und die «Lügen» durchschauen können, ärgert die Verseuchten sehr!

    A propo Energie: Ich würde sagen, nutzen wir doch in den nächsten 800 Jahren noch unsere Reserven aus unseren ungenutzten «BrennStäben»!
    In den nächsten 10 Jahren wird sowieso die halbe «Weltbevölkerung» (oder mehr) durch die «Dreckimpfungen» und «DreckPharma» gestorben sein. Wahrscheinlich reichen dann unsere Wasserkraftwerke.

    Was meint Ihr?

  5. Im ausgezeichneten Artikel sind alle wesentlichen Punkte dargelegt.
    Gegenüber der verideologisierten Politik und dem entsprechenden Beamtenapparat braucht nun es einen riesigen Effort, dass gegenüber der eklatanten Ignoranz zu den physikalischen Gegebenheiten wir den Turnaround mindestens partiell noch rechtzeitig schaffen werden.

  6. Unwissenheit/Desinteresse dank dem Wohlstand der Schweizer Jugendlichen führt zur Mehrheit von rot/grün und somit zur Veränderung dem ehemals smarten/intelligenten IQ Jugend der Schweiz,leider ist das fast eine globale Erscheinung!Leider lernt die Menschheit NUR über die schmerzliche Realität dess kleinerenGeldbeutels!!!

  7. Das Wort «Treibhausgase» ist schon eine unbewiesene Behauptung.
    Falls wir es nicht schaffen die «Klimapolitik» als das zu entlarven was sie ist, nämlich ein globales, sozialistisches Steuerungs- und Kontrollinstrument, dann werden wir in einer Diktatur landen.
    CO2 ist kein Problem, das Klima ist kein Problem, die Politik und Ideologie sind das Problem.
    Daher sollte die ganze Argumentation ganz anders laufen. Am Anfang werden das viele Menschen ablehnen aber auch wir müssen Durchhaltewillen zeigen wie die Linken auch und durch ständiges Wiederholen der Fakten diesen Klimamythos entzaubern.
    Nochmals: Das CO2 ist Mittel zum Zweck und hat nichts mit Klima zu tun. Wir können das Klima nicht beeinflussen, nur uns damit arrangieren.

  8. In der Schweiz 🇨🇭 hat es beste ETH und technische Fachkräfte-

    da muss es gelingen den Energieverbrauch richtig zu berechnen ✅

    Ich denke: mit einem Energie „Mix“ werden wir genug Strom produzieren können 🌈
    Warum nicht da und dort sparen?

    Die glücklichen Hühner brauchen keine Batterie: sie legen die besten Eier :
    Die bio Schweizer 🍳

    • Die richtige Berechnung steht schon im Artikel, ebenso die nötigen Massnahmen.

      Was sie bezüglich Energie-Mix denken ist krasses Wunschdenken!

      Lassen wir die Legebatterien und Hühner weg, es ist hier echt kein spassiges Thema :p

  9. Das Ja der Stimmbürger zum Kernkraftausstieg wurde nur dank massiver Fehlinformationen, einseitiger Informationen und Angstmacherei mit Hilfe der Medien erreicht. Warum wird das Volk nicht darüber aufgeklärt?

Ein Statement geht um die Welt – Ich habe es satt !

Nicht mehr lange – und die Schweizer sind die Minderheit im eigenen Land !